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Bildungsworkshop E 1 :
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Kunst im öffentlichen Europäischen Raum
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| E 1.1 |
Traditionelle Denkmalskultur in den Teilnehmerländern
Bestandaufnahme/ Dokumentation / Text- und Bild – Präsentation eigener, nationaler/regionaler Kunst im öffentlichen Raum. Die ganze Breite , wie der öffentliche Raum in Europas Städten und Dörfern in der Vergangenheit und Gegenwart für die Errichtung von Kunstwerken genutzt wurde, vor Augen geführt werden. Befragt werden soll das „kulturelle Gedächtnis“ des eigenen Volkes : worauf sind wir stolz, was haben wir zu beklagen, zu betrauern, wie werden kollektive Gemütszustände bei uns in Denkmälern ausgedrückt? Als Sammlung von Beiträgen aus allen Teilnehmerländen soll sich die Vielfalt des Verehrens und Gedenkens in Europa abzeichnen.
Interkulturelle Vergleiche: Durch Vergleiche soll herausgearbeitet werden, wie in den verschiedenen Teilnehmerländern auf vielfältigste Weise die eigene Geschichte in künstlerischer Form gestaltet wurde. Herauszuarbeiten sind z.B. die unterschiedlichen Formen der Aufarbeitung in Italien und Deutschland als Verbündete des 2. Weltkrieges. Gibt es Parallelen, die Ära des Beschweigens in der Nachkriegszeit und die Zeit des Sinnstiftens ab den 60er Jahren in beiden Ländern ?
Es gilt dann, die grundlegenden Ideen und Konzepte herauszuarbeiten, die dann auch die Findung eines eigenen Ansatzes für das Gemeinschaftsprojekt in Braslaw beeinflußen könnte. Z.B. das Konzept der Gegenwerke : Besonderes Augenmerk gilt der künstlerischen Aneignung von Kriegsdenkmälern in Ost und West, der Uminterpretation und Beeinflussung ihrer Wahrnehmung. Bezogen auf Deutschland, wird man verständlicherweise eine geschichtliche Leerstelle, des Fehlen von Nazi-Denkmälern dokumentieren. Sie wurden nach dem Krieg von den Alliierten geschleift. Wenn sich doch im Verborgenen Etwas gehalten hat und nicht von der Nachkriegsbevölkerung abgerissen wurde, so erwuchsen daraus Projekte von Gegendenkmälern, wie z.B. das „ Feuersturm“ – Projekt von Hridlika in Hamburg, wo der Künstler einem groben Kriegerdenkmal eine filigrane Bronzeplastik zur Erinnerung an die Hamburger Bombennächte entgegenstellte.
Das Gegenwerk – Konzept ließe sich in Braslaw im räumlichen Kontext der Lenin – Statue auf dem Hauptplatz ( s. Projektvorschlag A 2 : “ Im Blick Lenins“ )
Weitere Konzeptansätze
· Kunst als Propaganda - Instrument Nutzung des öffentlichen Raumes für politisch – künstlerische Manifestionen - Revolutionskunst der 20er Jahre der Sowjetunion - Kunst der außerparlamentarischen Opposition in Westeuropa der 60er Jahre - Kunst der „ Revolution in Orange“ in der Ukraine 2004.
· Uminterpretationen: Es geht um die Differenz von Sagen, Meinen und Wirkung und wie diese Uneindeutigkeit von Kunst befreiend -„listig“ von Künstlern in unfreien Diktaturen eingesetzt wurde. Zu suchen sind auch Unterschiede von offiziell vorgeschriebener Lesart eines Denkmals und der Umwidmung von Bedeutungen „durch das Volk“ . Ein vom ukrainischen Partner übermitteltes Beispiel: „ Das Weinen des ukrainischen Volkes“ so wird der hängende Bart des ukrainischen Helden Taras Tschewschenko , verewigt in einer Bronzestatue in Lwiw, genannt.
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Ästhetik des Erinnerns: Konzepte und Formen des Gedenkens in Europa
Dieser Workshop zum Auftakt der Begegnung soll mit dem künstlerischen Workshop A 2 : Partizipationsskulptur für den öffentlichen Raum von Braslaw verknüpft. Da es in beiden Veranstaltungen um die Gestaltung des öffentlichen Raumes geht, sollen hier die Teilnehmenden durch Auseinandersetzung mit Beispielen zur Erinnerungskultur in Europa zur sensiblen Wahrnehmung und Respekt vor dem öffentlichen Bereich, wenn sie den auch nutzen dürfen, geführt werden. Zeitnaher Anlass für die mit den internationalen Gruppen zu Weihnachten 04 abgesprochene Themenwahl sind historische Daten des Jahres 2005 :
27. Januar 2005: 60. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Ausschwitz durch die Sowjetarmee 09. Mai 2005: 60. Jahrestag zur Beendigung des 2. Weltkrieges
Zunächst sollen die unterschiedlichen Teilnehmergruppen die Formen des Gedenkens in ihren Heimatländern dokumentieren und vergleichen und daraus die sog. „Vermächtnisse“ für die „Betroffenen der dritten Generation“ , die Jugend Europas , so wie sie von der Politik und den Betroffenen – Verbänden postuliert werden, ableiten. Dazu sollen die persönlichen Einstellungen der Teilnehmenden ( hier Jugendliche aus dem Münsterland, die sich in Vorgesprächen für eine Teilnahme am Sommercamp bewerben ) vom coolen „Abhaken“ („…. habe nichts mehr damit zu tun, geht mich nichts an ….“) – dies ein Beitrag zur sog. „Schlussstrichdebatte - bis hin zur Mitverantwortung für das „Nie wieder“ ( „ …weil ich weiß, was passiert ist, werde ich mich aktiv zur Wehr setzen, wenn sich hier Neonazis breit machen…“ ) in Beziehung gesetzt werden .In diese Auseinandersetzung um den Riss durch die Europäische Zivilisation soll die Dokumentation und der Vergleich von Orten der Erinnerung, gegen das Vergessen in den verschiedenen Europäischen Ländern integriert werden. Ein Schwerpunkt soll auf die Stätten gelegt werden, die in letzter Zeit mit zeitgenössischen künstlerischen Mitteln in West - Europa realisiert wurden bzw. deren Bau geplant ist. :
1. Gedenkstätte für die ermordeten Juden Europas von P. Eisenman in Berlin Ein Video der 3sat Kulturzeit-Reportage zur Begehung und persönlichen Einschätzung der Gedenkstätte durch den ehemaligen Kultur-Staatssekretär Michael Naumann wurde bereits aufgezeichnet. 2. Holocaust-Mahnmal der britischen Künstlerin Rachel Whiteread auf Wiener Judenplatz 3. Shoa – Denkmal in Paris ( « … le Mémorial conjugue ses différentes missions à travers ses activités: se souvenir, témoigner, transmettre, sensibilise… » ). 4.Denkmal ( in Planung) zur Geschichte der polnischen Juden im ehemaligen Warschauer Getto 5.„Tal der Erinnerung“ / Trostenets bei Minsk . Weihnachten 2004 wurde in Minsk der berühmte jüdische Architekt Levin, Erbauer des größten und berühmtesten belorussischen Memorials „Chatyn“ , dafür gewonnen, diesen Workshop mitzugestalten und dabei auch über den z.Z. laufendenden internationalen Wettbewerbs zur Gestaltung des Denkmalkomplexes , dem bisher fast vergessenen viertgrößten Konzentrationslagers des 2. Weltkrieges zu informieren.
6.-ff :
weitere Bespiele
aus den übrigen Teilnehmerländern werden im Vorbereitungszeitraum Von den
betreffenden Teams gesucht und dokumentiert. Die leitenden Fragenstellungen dazu: Erreicht die ritualisierte Form des Gedenkens die Jugendlichen überhaupt noch ? Was können die Jugendlichen den oftmals als Gemeinplätze, Floskeln erfahrenen Beschwörungsformeln der Festredner abgewinnen, wie nehmen sie die Botschaft des „Wehret den Anfängen“ an ? Wie gehen sie/wir damit im Alltag um, was tun wir konkret, wenn wir die Demokratie gefährdet sehen, was tun wir gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung in unserem Lande ? Empfinden sie/wir Erinnern eher als Belastung oder als Befreiung? Und zur „Erinnerungs-Kunst“ : können sie sich überhaupt eine künstlerische oder architekto-nische Geste vorstellen, die das unvorstellbare Grauen auszudrücken vermag ?
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Positionen der zeitgenössischen Avantgarde Aus jedem Teilnehmerfeld sollen sowohl große Projekte / Ausstellungen mit Europäischer Ausstrahlung ( Dokumenta in Kassel , Biennale in Venedig ) als auch die regionale Avantgarde dokumentiert werden. Insbesondere soll gezielt nach Partizipationsprojekten und sonstigen Projekten gesucht werden, die sich gezielt mit der Konzeption für das Braslaw -Skulpturprojekt A 2 verbinden lassen.
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